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Diesel im Motorenraum

Westhafen, Wismar
Westhafen und im Hintergrund der Stadthafen

Wir verholen nach Kirchdorf 

 

Wismar - Kirchdorf/ Poel  

8,9 sm

2:05 Std

 

 

In der Nacht gibt es wieder ein Gewitter und der Wind hat noch mehr aufgefrischt. Auch wenn der Windmesser hier im Hafen nur 6 kn anzeigt, merken wir am Schwell, der die FairLady an ihren Leinen zerren lässt, das da draussen doch mehr als ein Lüftchen pustet.- Und das soll noch doller werden. Kühlungsborn ist endgültig gestrichen. Wir sind darüber ziemlich traurig, hatten wir uns doch auf ein Wiedersehen mit Claus gefreut. Aber hier können und wollen wir auch nicht bleiben. Die FairLady tanzt jetzt schon auf und ab und wirklich schön ist der Hafen nicht. Wir entscheiden uns wieder zur Insel Poel zu fahren, aber diesmal nach Kirchdorf, denn hier liegt man gut geschützt gegen die NW Winde.

Kaum haben wir das Hafenareal verlassen, zeigt der Windmesser 15 kn und wir haben einen halben Meter Welle hier in der doch noch geschützten Wismarer Bucht. Ich möchte nicht wissen, was da draussen auf der Ostsee los ist. Wir setzen keine Segel und fahren unter Motor Tonnenstrich. Kurz vor der Hafeneinfahrt piepst der Tiefenmesser wie verrückt. Nach leichter Schlickberührung finden wir doch noch die richtige Tiefe zwischen den Tonnen, wo wir durchrutschen können.

 

Endlich im Hafen und dem Gesang eines Chantychors im Hintergrund, stellen wir fest, dass es hier immer nur einen Dalben zur Befestigung am Heck gibt. Da der Wind aus NW kommt und die Boxen nach Süden ausgelegt sind, freuen wir uns noch einen Platz zu ergattern, an dem wir steuerbords, also luv festmachen können.

 

Wir legen die Lady quer zur Box und ich befestige eine Leine von der Heckklampe und eine von der Mittelklampe an dem Dalben. Wir möchten uns vom Wind etwas vortreiben lassen und dann mit den Leinen um den Dalben ziehen. Mitten im Manöver versenkt Klaus seinen Segelschuh im Hafenbecken. Anstatt das Ruder zulegen, rettet er seinen Schuh und wir treiben etwas zu weit. Aber auf dem Nachbarboot backbords kommen uns zwei helfende Hände entgegen, die unsere Bugleine entgegennehmen und zum Steg führen. – Warum wir nicht normal unter Motor einlaufen? Durch unser festes Cockpitdach sind wir bei den Böen eine leichte Beute für den Wind. Deshalb wollten wir sicherstellen, nicht gleich zu vertreiben. Ganz richtig durchdacht war das Manöver wohl nicht. Aber wir sind ohne Schaden fest – und der Schuh ist auch gerettet.

Endlich fest, entdeckt Klaus, das sich auf dem Motor eine Dieselpfütze befindet.  –  Nicht schon wieder! Wir beratschlagen was wir tun sollen. Morgen haben wir ein gutes Wetterfenster um bis Kühlungsborn oder gar Rostock zu segeln. Aber diese 60 sm + mit einem defekten Motor und einem nicht zu trauenden Wetterbericht behagt uns nicht.

 

Direkt am Hafen ist ein Volvo Penta Service. Noch mitten in den Überlegungen, was wir machen, bekomme ich unabhängig zu unserem Dilemma über Instagram eine Nachricht von der SY Svea, die über meinen Post vom Hafen weiss wo wir sind und daraufhin von diesem Volvo Service schwärmt, der ihnen auch mal gut geholfen hat.

Mit dieser out oft the blue Empfehlung sucht Klaus den Service auf und trotz kaum offener Kapazität verspricht man uns für den nächsten Morgen jemand, der sich unserem Problem annimmt. 

Mit der Gewissheit, das uns morgen jemand zur Seite steht und hoffentlich helfen kann, besuchen wir das Hafenfest und genehmigen uns leckere Fischbrötchen an der Fischbude, die uns von unserem Segelkumpel Harry ans Herz gelegt wurde. Danke Harry! Eine TOP Empfehlung. 

Hafen Kirchdorf/Poel
Hafen Kirchdorf/Poel

Zum Abschluss des Tages besuchen wir die Inselkirche Poel (erster Teil errichtet ab 1220, zweiter Teil 1320) und die ehemalige Festung (Schloss) Poel, welches zwischen 1614 und 1620 für Adolf Friedrich 1. von Mecklenburg errichtet wurde. Erst von den Dänen besetzt, dann 1648 - 1803 dem schwedischen Krongut zugeführt ( wie wir ja inzwischen wissen, hat Schweden lange die pommerische  Küste gehört), wurde es 1675 vom Brandenburger Kurfürsten zwar zurückerobert, aber dem Verfall überlassen. 1705 stürzte der Schloss Turm während eines Orkanes ein und seitdem wurde das wohl vergessene Schloss von der Bevölkerung als Steinbruch benutzt.

Besuch
Besuch

06.08.2018 Montag

 

Um 10:00 kommt der Chef von Volvo Penta persönlich an Bord. Das Problem wird schnell analysiert. Ein O – Ring der Diesel Einspritzdüse ist undicht. Leider ist kein Originalteil vor Ort und da wir wirklich das Wetterfenster nutzen wollen, verbaut er uns ein ähnliches mit dem Hinweis, das die anderen zwei mit Sicherheit auch bald aufgeben werden und wir dann doch lieber für alle 3 die Originalringe bestellen sollen. Nebenbei gibt er uns noch zahlreiche Tipps, den Motor betreffend und hat auch eine gute Erklärung für die plötzliche Drehzahlsenkung des Motors während der Fahrt, die hin und wieder passiert. Positiv ist, das er dem Motor noch viele Seemeilen zu traut und vorerst von einem Tausch abrät. Er hält die alten Motoren für zuverlässiger als die neuen.

 

Um 11:41 schmeissen wir wieder die Leinen los. Vor uns liegen mehr als 60 sm    aber davon mehr demnächst....

 

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